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Duopol

Carola Eggeling

Die Natur hat keine geraden Linien

Carola Eggeling fühlte sich zur Kunst hingezogen, obwohl sie beruflich auf einem anderen Weg war, denn sie hat in der Krebsforschung gearbeitet. Ihre ersten plastischen Arbeiten aus Ton  entstanden in Zusammenarbeit mit der Bildhauerin Trude Esser: gegenständliches Modellieren, nennt Carola diese Phase. Das Erlernen der Formzusammenhänge des menschlichen Körpers gestaltet sich, ob bewusst oder unbewusst, wie ein Streifzug durch die Kunstgeschichte: angefangen bei megalithischen Idolen bis zum Olmekenkopf, weiter zu Brancusi und Henry Moore. Logischerweise verläuft solch eine Entwicklung in Richtung Abstraktion, denn die Freiheit ist immer das Ziel der Kunst. Was die Meister vermitteln, wird verinnerlicht, aber die Suche gilt dem Eigenen, ob man es Stil, Unterbewusstsein oder Trieb nennen mag. So gesehen ist jede Kunst zugleich nachgeahmt und autodidaktisch.
 
             Carola Eggeling hat in erstaunlicher Kürze der Zeit den Einstieg in die Welt der klassischen und modernen Bildhauerei absolviert.  Dazu gehören die anspruchsvollen Techniken, das Bearbeiten von Oberflächen, die statischen Bedingungen, der Guss.

            Ihr Atelier ist für sie die andere Welt, in die sie abtaucht und die Zeit vergisst. Das Arbeiten empfindet sie als glücklichen Zustand: „..ich bin keine Intellektuelle, Kunst bedeutet für mich in erster Linie Intuition und Instinkt, es muss mein Herz berühren.“  
Ohne Skizze arbeitet Carola Eggeling so lange am Werkstück, bis ihr Gefühl sagt, das ist fertig.  Ihre Skulpturen heißen Curva und Turm, Welle oder Serpe. Sie sind erstarrte Bewegungen,  Bögen , die an gotische Architektur erinnern, Verschlingungen mit unterbrochenen und neu angesetzten Enden, die von jeder Seite vollkommen anders aussehen, perfekt in den Oberflächen und den feingearbeiteten Kanten. In Alpaka oder Bronze gegossen vermitteln diese Arbeiten Zeitlosigkeit und eine ernste Dynamik, die sich im Raum ausbreitet. Eine andere Werkform sind in sich ruhende Gebilde, die sich auf Formen des menschlichen Körpers beziehen. Dem Material Gips gewinnt sie alabasterartigen Glanz ab, auch hier eine quasi Erhöhung und Sublimierung, während umgekehrt beim Ton Gruppierungen stattfinden, deren schrundige Oberflächen an Steinmonumente früher Kulturen erinnern.

‚ Plastiken als Formen des Unbewussten’, betitelt Jaap Bremer, der ehemalige Direktor vom Kröller-Müller-Museum in Otterlo, seine Einführung über Carola Eggeling anlässlich einer Ausstellungseröffnung in Antwerpen.

Ihre neuen Arbeiten werden zusammen mit Fujio Akai’s Bildern in der Kunsthalle Altdorf einen spannungsreichen Dialog entfalten, worauf wir uns sehr freuen.
 

Fujio Akai

 

Akai heißt Rot

„ Fujio Akai wurde im Jahr 1945 in Padang auf Sumatra als Sohn einer indonesischen Mutter und eines japanischen Vaters geboren. Er wuchs in Japan auf und kam auf Umwegen 1964 nach Düsseldorf. Dort studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie bis 1969, u.a. bei Prof. Sackenheim und Rupprecht Geiger. Fujio Akai lebt und arbeitet in Köln, Kyoto und Brüssel; er übernahm bereits mehrere Lehraufträge, u.a. in Barcelona.“
      So heißt es im Text von Dr. Hans Günter Golinski*, dem Leiter des Museums Bochum, anlässlich einer Gruppenausstellung im Artforum Sick vom November 2005.
      Er ist ein Reisender zwischen Europa und Japan, außer in seinen Bildern ist er vielleicht nirgendwo wirklich zu Hause. Aber dort konzentrieren sich Stil und Handwerk in seinen Vorlieben für bestimmte Farben und deren Klima, das aus der Betrachtung von Wolken und Himmel zu kommen scheint. Seine Bildschöpfungen sind schwerelos, trotz heftigster Farbigkeit ganz und gar unirdisch, so, als würde der Künstler den Elementen Luft, Wind und Wasser seine Farben beimischen, um sie dann sich selbst zu überlassen.
     Fujio Akai arbeitet mit Textilfarbe auf Seide und mit Aquarell auf Bütten, kostbare Untergründe und reine Farben voller Leuchtkraft, vor allem in den Rot-Tönen zeigt sich seine Meisterschaft. Kein erkennbarer Gegenstand legt ein Thema fest, es bleibt Atmosphäre , farbige Wolke, Licht, was dem Betrachter erscheint. In die Tiefe und in die Ferne führen diese Kompositionen, und dies ist, wie Fujio sagt, eine europäische Art, Bilder zu sehen: die Suche nach Orientierungspunkten. Das japanisch-asiatische Bildverständnis hingegen kulminiert in der Sichtweise und Erkenntnis von „ Alles fließt, nichts bleibt, wie es ist.“
*„... Eine Gegenüberstellung der Frühwerke von Fujio Akai mit seinen neueren Bildern irritiert den Betrachter: Dort beschwört die äußerste Reduktion und Konzentration von Farbe und Form meditative Stille, hier erwecken bewegte Farb- und Formverläufe stimmungsvolle Lebendigkeit.  ...“ 
     Kalligraphie ist eine Kunst, die in der Moderne große Bedeutung gewonnen hat und die in Japan eine sehr alte, traditionelle Ausdrucksform ist. Westliche Kunstrichtungen wie action-painting und abstrakter Expressionismus haben davon ebensoviel gelernt wie von Zen-Buddhismus und Meditation.
* „...Er visualisiert mit seinen Bildern eine Zwischenwelt, die aus der Erfahrung zweier Kulturen entsteht. Er lebt in dieser Zwischenwelt und er lässt uns durch seine Bilder daran teilhaben.“
Fujio Akai hat in Haarlem die Kunst und Musikgruppe „Green Company“ von 1968 bis 1973 als Aktionskünstler begleitet und ist mit Bands durch die Nachtclubs von Amsterdam, Köln, Düsseldorf getourt, zu einer Zeit, als Popart eine nach allen Seiten offene Kunstrichtung war und oft eine Fusion zwischen Musik-Festivals und Museen darstellte.

1991 mit dem August-Macke-Preis ausgezeichnet, ist er vertreten in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen und blickt auf eine große Anzahl von Gruppen -und Einzelausstellungen in Deutschland, Holland, Belgien, Japan, Malaysia, Italien und Spanien zurück. 

Wir haben mit freundl. Genehmigung des Museums Bochum Zitate über Fujio Akai verwendet, und freuen uns auf seine neuen Bilder, die mit den Werken der Bildhauerin Carola Eggeling einen spannenden „DUOPOL“ bilden.

Januar 2007 Isolde Wawrin
 

 

 

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